Life Style Creep und die Krise

 

Dass die Wirtschaftskrise mittlerweile knallharte und spürbare Realität ist, liegt ja auf der Hand – von wegen alles nur Verschwörungen! Umso spannender ist doch die Frage: Bringt Minimalismus was? Kann Minimalismus Abhilfe schaffen?

 

Wenn ja, wie denn? Die Preise steigen ja doch und zwar in jeglichen Lebensbereichen. Ob Energie, Versicherungskosten, Lebensmittel, Mobilität oder Freizeit und Hobby. Wir sitzen da sprichwörtlich alle im selben Boot. Früher oder später spüren wir alle die Einbußen, das lässt sich weder abstreiten noch abwenden. Aber wir können Zeit und Luft gewinnen.

Eine große Belastung in wirtschaftlichen Krisenzeiten sind natürlich die Kosten. Und zwar Kosten, die regelmäßig anfallen und sich nicht abstellen lassen. Darunter zählt alles, was zur Lebenserhaltung wichtig ist. Je mehr ich meine, dafür zu benötigen, desto mehr Kosten werden anfallen. Mein Lieblingsbeispiel ist hier das Auto. Ein Auto muss gewartet und versichert werden und um zu fahren, benötigt es Energie, die ich zuführen muss.

Wir leben in einer Zeit, in welcher ein autofreies Leben kaum möglich erscheint. Doch gerade in gut vernetzten, urbanen Gebieten ist ein autofreies Leben im Grunde gut umsetzbar, auch wenn das bedeutet, dass man im Alltag mehr Zeit für Mobilität einplanen muss und es manchmal vielleicht ein wenig ungemütlich werden kann. Zum Beispiel, wenn man im Regen 10 Kilometer mit dem Fahrrad zurücklegen will. Aber auch das ist absolut möglich und machbar, wenn man sich entsprechend vorbereitet.

Es ist aber sicherlich nicht nur das Auto. Abos, Streaming-Dienste, Handy-Verträge, Versicherungen aller Art – das alles erhöht die Fixkosten mächtig. Ich kenne Singles, die monatlich über 2000€ Fixkosten haben. Um dann noch nennenswerte Rücklagen bilden zu können, sind sie gezwungen, weit mehr als 2000€ monatlich zu erwirtschaften. Je nachdem, wie viel Geld zurückgelegt werden soll. Wenn man teure Geräte, ein Auto oder gar ein Haus besitzt, sind die Beträge, die anfallen können natürlich umso höher und entsprechend mehr Geld muss zurückgelegt werden. Puh. Ganz schon verzwickt oder?

Es geht auch einfacher. Und zwar ganz individuell auf den Einzelnen angepasst. Ich habe einmal grob eingeteilt, welche sechs Bereiche zentral sind und in die sich im Grunde alles verorten lässt, was Kosten verursachen kann, aber natürlich nicht muss – ein schöner Waldspaziergang mit der besten Freundin ist zum Glück immer noch kostenlos.


Diese Bereiche sind:

1. Wohnen & Energie: In diesem Bereich kannst du einmal Bilanz ziehen, wie deine finanzielle Situation aussieht. Grob gesagt: Je größer die Wohnung, desto mehr Energieverbrauch kann anfallen, da die Wohnung nicht auskühlen sollte. Wie viel Platz brauchst du wirklich – müssen es 70qm sein oder reichen auch 40? Natürlich immer daran bemessen, wie viele Menschen oder Tiere noch mit dir zusammenleben! Tipps zum Stromsparen und zum energieeffizienten Heizen findest du im Netz, deshalb gehe ich an dieser Stelle nicht weiter darauf ein. Ich nutze beispielsweise zum Kochen den InstantPot und spare damit jede Menge Energie. Mein Kühlschrank ist im Winter auch grundsätzlich ausgeschaltet – auf dem Balkon bleiben meine Lebensmittel auch kühl und frisch.

 


2. Ernährung, Pflege & Kleidung: Man hört immer wieder, dass gesunde Ernährung teuer sei. Das stimmt nur bedingt. Gerade Trockenlebensmittel wie Haferflocken, Hirse, Reis, Dinkel oder anderes Korn kann man wunderbar in großen Mengen günstig erwerben und sehr lange davon zehren. Frische Zutaten kann man im besten Fall und wenn möglich regional kaufen. Unterm Strich ist so eine Ernährung sogar günstiger als der regelmäßige Kauf von Fertigprodukten, und natürlich auch viel gesünder. Eine gute Möglichkeit, sich mit frischem Grün zu versorgen, sind Sprossen und Keimsaaten.

 

Beim Trinken kann man wunderbar Leitungswasser nutzen und filtern, wenn nötig. Leitungswasser peppe ich gerne mit Pan Salz auf. Kleidungstechnisch setze ich schon einige Jahre auf den „Uniformlook“ – ich trage nur noch Lieblingsstücke und kaufe diese nach, wenn sie aufgetragen sind.

 

Mit Pflegeprodukten verhält es sich bei mir ähnlich einfach. Innerhalb von jetzt etwa vier Jahren habe ich meine Haut von herkömmlichen Cremes und Lotionen entwöhnt – ich benötige sie jetzt nicht mehr. Es macht in jedem Fall Sinn, sich über natürlichere Pflegemittel zu informieren und diese einfach auszuprobieren.



4. Freizeit & Freunde: Wie viel Spaß darf es denn sein? Müssen es wöchentlich teure Auswärtsaktivitäten sein oder darf es auch kostengünstiger sein? Komplett kostenlos sind Wanderungen, Sport im Freien, Geocaching und vieles mehr. Gemeinsam kochen, ein Spielenachmittag oder Ähnliches machen sehr viel Spaß und kosten nichts. Gerade in diesem Bereich spielt es eine große Rolle, wieviel Wert du auf sozialen Status legst. Mit den richtigen Freunden ist das dann in der Regel kein Thema mehr und es darf auch weniger „brisant“ und hochkarätig zugehen.

 


5. Mobilität & Reisen: In diesem Bereich lässt sich besonders viel einsparen. Mobilität ist teuer. Und je komfortabler sie ist, desto mehr finanzielle Mittel müssen investiert werden. Autofreiheit ist die eine Sache, aber auch Bahn fahren ist nicht kostenfrei. In meinem Fall hat sich die Kombination aus Bahn, Bus und Fahrrad etabliert. Kurze Strecken unter 3km gehe ich ohnehin zu Fuß. Das benötigt mehr Zeit als schnell mit dem Auto zu fahren, spart aber jede Menge Geld, Energie und tut meiner Gesundheit gut. Insofern schlage ich hier drei Fliegen mit einer Klappe.

 

Reisen sind ebenfalls ein teurer Luxus und längst nicht für jeden Haushalt ein regelmäßiges Anliegen. Aber muss es immer der Flug in die Karibik sein? Deutschland hat wunderschöne Ecken, die man leicht mit Bus, Bahn und Fahrrad erreichen kann. Auch Campen kann Spaß machen!

 


6. Versicherungsleistungen: Was fällt monatlich für deine Versicherungen an? Brauchst du wirklich alle Versicherungen, die du hast? Oder genügen in bestimmten Bereichen auch kleinere Einzahlungsbeträge? Bei Versicherungen ist man oft unsicher. Das liegt daran, dass Versicherungen genau darauf pokern: Dass wir unsicher sind und uns lieber doppelt und dreifach absichern. Das ist aber gar nicht immer sinnvoll und ob Versicherungen wirklich zahlen im Schadensfall ist damit auch nicht besiegelt. Es lohnt sich also, sich damit näher zu befassen, zum Beispiel bei Versicherungen mit Kopf.

 

Life Style Creep?


Ich mache aktuell die Erfahrung, dass ich noch relativ entspannt bleiben kann, was steigende Kosten angeht, da meine Fixkosten in einem eher niedrigen Bereich liegen – verglichen mit anderen Singles in meinem Alter. Das verschafft mir einiges an „Luft nach oben“, worum ich sehr dankbar bin. Und das Beste dabei ist: Ich erlebe keinen Verzicht. Ich habe alles Materielle um mich herum, was ich benötige. Und die wirklich wichtigen Dinge, wie Freunde, Zufriedenheit und Dankbarkeit kann man sowieso nicht mit Geld kaufen. Das Privileg, das viele von uns haben ist die einfache Tatsache, dass wir uns bewusst für ein einfacheres Leben entscheiden können und nicht darauf warten müssen, bis uns die Lebensumstände dazu zwingen.  

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Und wie läuft es bei dir?
Wie hilft dir Vereinfachung im Umgang mit der Krise?

 

 

Kommentare: 3
  • #3

    Anja (Sonntag, 11 Dezember 2022 09:55)

    Ein Leben, das überladen ist, kann nicht einfach sein. - Peter Steiner: Weisheit für Minimalisten -
    LG Anja

  • #2

    Aura (Donnerstag, 08 Dezember 2022 16:18)

    Hallo Julia, oh ja, Besitz verpflichtet leider auch sehr. Es freut mich, dass ihr nun was passenderes sucht. :) Es muss eben auch irgendwie einem selbst entsprechen. Ein einfacheres Leben macht auch zufriedener, weil man viel dankbarer ist. Zumindest kann ich seitdem viel mehr Dankbarkeit erleben. Liebe Grüße!

  • #1

    Julia (Donnerstag, 08 Dezember 2022 10:42)

    Liebe Aura,
    wir haben vor 14 Jahren ein Haus gekauft und nun möchten wir was Kleineres, weil wir so viel Platz nicht brauchen. Die Erkenntnis kam aber leider erst in den letzten paar Jahren. Bei der Ernährung kann ich Dir auch nur zustimmen, Grundnahrungsmittel selbst zubereiten. Eine Pizza aus Mehl, Hefe, Wasser und Salz, belegt mit Kartoffeln (unser Favorite) ist deutlich gesünder und preiswerter als jede Fertigpizza. Es kostet eben Zeit, aber die nehmen wir uns gern.
    Ein einfacheres Leben hat meiner Meinung nach nur Vorteile, in allen Bereichenm egal ob Kleinung, Freundschaften und Freizeit, Mobilität etc.
    Liebe Grüße
    Julia