Wu Wei meint bewusstes Nicht-Handeln. Nur beobachten. Nicht urteilen. Nicht bewerten. Eines meiner Jahresziele für 2021 ist die Praxis des Wu Wei, die ich bewusster und achtsamer in meinen Alltag
einbringen möchte: Weniger bewerten und „schubladisieren“ in richtig oder falsch, gut oder schlecht. Mehr Wahrnehmen dessen, was ist. Bewertungen können Stress verursachen, da alles was in die
Kategorie „schlecht“ oder „falsch“ einsortiert wird, Aufregung und Unzufriedenheit generiert.
Im Selbstexperiment ist mir aufgefallen, dass ich sehr häufig Bewertungen vornehme, sowohl auf mich selbst bezogen als auch auf meine Umgebung. In meinem Fall sind die meisten Bewertungen, die
ich im Laufe eines Tages vornehme, Selbstbewertungen. Und auch wenn ich ihren instinktiven Nutzen kenne – Schutz vor Gefahren und sozialem Ausschluss – wünsche ich mir derartige Selbstbewertungen
häufig „weg“. Das Problem ist, dass unser Gehirn nicht unterscheiden kann zwischen „dieses Verhalten ist schlecht“ und „die Person, die sich so verhält, ist schlecht“. Aber: Auch sie dürfen da
sein, denn auch Selbstbewertungen sind nicht „gut“ oder „schlecht“, sie sind manchmal einfach da. Und sie lassen sich beobachten wie Wolken, die
vorbeiziehen.
Ich lade dich auch zu diesem Selbstexperiment ein: Beobachte einmal deine Gedanken und ziehe Bilanz. Wie häufig im Laufe eines Tages bewertest du das Geschehen und deine Erlebnisse, Gefühle oder
Gedanken? Was ändert sich für dich, wenn diese Form der Bewertung wegfällt und du einfach nur wahrnimmst? Wu Wie meint Teilnehmen am Leben. Teilnahme ohne Vereinnahmung.
Geschehen lassen.
