Über die Hintergründe des Werks

 

 

Was ist die Spiegelstadt?

Die Spiegelstadt ist ein sehr persönliches Weltenbauprojekt von mir und lehnt sich von der Idee her stark an „Alice im Wunderland“ an. Die Geschichte von Alice – sowohl das Original als auch die schillernden Adaptionen von Tim Burton oder American McGee faszinieren mich ziemlich sehr. Ich pflege seit Kindesalter an eine bunte Fantasie und drifte häufiger in meine eigenen „inneren“ Welten ab. Diese inneren Orte sind für mich wie Kraftquellen und Refugien, die ich aufsuche, um Trost, Freude, Rat oder Einsichten zu gewinnen. Gewissermaßen sind sie also auch psychologisch wertvoll. Womöglich ist die Spiegelstadt ein natürliches oder gar bewusst erzeugtes Produkt meiner verschnörkelten Introversion.

Meine Weltenbau-Entwicklung führte mich bereits durch verschiedenste Versionen meiner inneren Welten, von der tiefen Höhlenwelt bis hin zu traumartigen Szenarien. Mein Interesse für Mythologisches, Psychologisches, Träume und Magisches fließt hier maßgeblich mit ein. Ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt ist das Bruchstück-Konglomerat, dessen zentraler Protagonist – Verfasser A. – mein Alter Ego darstellt. In verschiedenen literarischen Experimenten und fantastischen Kompositionen ersuche ich in der Rolle des Verfasser A. eine Dekonstruktion und systematische Erkundung meiner eigenen Psyche. Dabei fasziniert mich vor allem die Macht der Sprache selbst und all das, was sie auszudrücken vermag.


Symbolik als Schwerpunkt

Was die Spiegelstadt angeht, ist nichts zufällig gewählt, benannt oder konzipiert. Symbolik gehört zu meinen wesentlichen Interessenschwerpunkten, wenn es um Weltenbau, Literatur oder Fotografie geht. Wesentlich inspiriert hat mich auf meinem Weg nicht nur Lewis Carroll, sondern auch Franz Kafka, dessen Werk in der Literatur als „psychologisch verzweigter Bau“ betrachtet und entschlüsselt wird.

 

Diesen Bau habe ich systematisch erkundet, allerdings in mir selbst. Ich habe mir wohl irgendwie angeeignet in jedem Ding, jeder Sache, jedem Wort, die ganze Welt gespiegelt sehen zu können. Dadurch hat für mich alles im Leben eine Art sprechenden Charakter. Dieser sprechende Charakter gewinnt in meinen Welten an Lebendigkeit, wird zu Fleisch und Blut. In meiner inneren Welt sprechen die Dinge tat-sächlich. Sie bilden ein großes, vernetztes, dreidimensionales System – meinen ganz persönlichen Bau, dessen Grenzen und Räume ich stetig erweitere.


Wie entsteht die Spiegelstadt?

Sie entsteht zwischen den Zeilen meines Lebens, in der Synergie von Körper und Geist und im Verzweigen meiner persönlichen, inneren Anteile. Sie ist therapeutisch, klärend, kompensierend. Sie ist die dunkle Seite des Mondes und die zweite Seite der Medaille. Sie ist das Abbild meines Oberstübchens und die labyrinthische Amplitude meines Gehirns. Sie ist das, was intuitiv entsteht, wenn ich nach innen schaue. Sie ist ein Mosaik aus Träumen, Gedanken, Wünschen, Ängsten und Fantasien. Die Spiegelstadt entsteht durch das geschriebene Wort, durch das gedachte Bild. Sie entsteht jeden Tag neu und offenbart ihre wahre Tiefe erst mit längerem und genauerem Hinsehen.

Sie ist der Zauber im grauen Alltag und die unausgesprochene Wahrheit, die hinter einem unsichtbaren Vorhang verborgen liegt. Sie ist das von mir gefilterte Kulturdrama, das Form gewinnt und sie ist ein psychologisches Vermächtnis. Ich durchstreife die Spiegelstadt und es ist, als wandere ich hinter die Welt. Ich sehe mich überall selbst. Im Spiegel schaue ich mich nicht nur an, sondern durchschaue mich, erkenne mich spielerisch. Die Spiegelstadt entsteht als autobiographisches Weltenbauprojekt, sie ist buchstäblich der Spiegel meiner eigenen Person – auf ihre ganz besondere und eigene Art eben.