Selbstsabotage

 

Behandelst du dich selbst wie deinen besten Freund, deine beste Freundin? Und lebst du dein Leben klar, fokussiert und nach deinen Vorstellungen und Visionen? Oder erzählst du dir regelmäßig, wie unfähig du bist, dass du wieder einmal versagt hast und andere sowieso alles besser können als du?

Falls du diese Frage nicht klar mit „Nein“ beantworten kannst, hast du einen „inneren Angestellten“ mit dem Namen „Saboteur“ oder „Kritiker“. Der innere Saboteur oder Kritiker kritisiert und sabotiert dich, deine Ideen und Handlungen. Das tut er nicht aus Boshaftigkeit, sondern, weil du ihn in Kindertagen als Mitarbeiter angestellt hast.


Der innere Kritiker

Der innere Kritiker entsteht aus der Internalisierung von Bezugspersonen: Eltern, Erzieher, Lehrer. Als über-wachende „Über-Ich“-Instanz übernimmt er eine wichtige Funktion: Um Ablehnung zu vermeiden und um nicht die Liebe und Anerkennung der Bezugspersonen zu verlieren, weist er dich permanent auf das hin, was du besser nicht sagen, nicht tun, nicht meinen solltest oder darfst.

Gut zu wissen: Dein innerer Kritiker agiert angstmotiviert.

Einige Beispiele: „Wenn ich meinen Job kündige, werde ich zum Sozialfall oder lande unter der Brücke.“, „Wenn ich die Bitte meines Chefs ablehne, wird er mich entlassen.“, „Wenn ich es den anderen nicht recht mache, werden sie mir Ablehnung entgegenbringen.“, „Wenn ich eine andere Meinung habe als meine Partnerin oder mein Partner, wird sie oder er mich weniger lieben.“ und so weiter. Hinter all diesen Gedanken verbirgt sich Angst. Die Angst vor dem finanziellen Ruin, vor negativen Konsequenzen, vor Ablehnung und Liebesentzug.

Handelst du angstmotiviert?

Dann versuchst du dich anzupassen und handelst damit gegen dich selbst. Wenn du gegen dich selbst handelst, betreibst du Selbstsabotage und lebst nicht in der Selbstverwirklichung. Im schlimmsten Fall wirst du körperlich und seelisch erkranken, weil dir dein Körper sehr genau zeigt, dass etwas nicht stimmt, dass du nicht stimmst. Ein wirksames Werkzeug im Umgang mit dem inneren Kritiker und der GmbH Selbstsabotage ist die Analyse der konkreten Glaubenssätze mit Hilfe von vier entkräftenden Fragen.


Zeit für eine Inventur!

Achtung: Der innere Kritiker lässt seine Aussagen und Warnungen gerne wie Fakten oder bereits eingetretene Ereignisse klingen – eine sorgfältige und sachliche Überprüfung ist hier also not-wendig:



Schritt 1: Notiere alle Gedanken, die dich daran hindern zu tun, was du wirklich tun willst – erstelle eine „Inventur der Gedanken“. Diese Gedanken sind Aussagen deines inneren Kritikers, deine inneren, sabotierenden Glaubenssätze.

Schritt 2: Überprüfe und entkräfte die Gedanken, indem du folgende vier Fragen sorgfältig beantwortest:

1. Ist der Gedanke wahr?

2. Kann ich zu 100% sicher sein, dass der Gedanke wahr ist?

3. Wie fühle ich mich, wenn ich diesen Gedanken glaube?

4. Wer bin ich ohne diesen Gedanken und wie sieht mein Leben aus?


Ein Beispiel:

„Wenn ich meinen Job kündige, werde ich zum Sozialfall.“

1. Ist der Gedanke wahr? – Nein, denn erstens liegt das Ereignis in der Zukunft und steht damit noch nicht fest, zweitens gibt es immer die Möglichkeit eine neue Tätigkeit aufzunehmen, auch wenn diese nicht meiner Vision entspricht.

2. Kann ich zu 100% sicher sein, dass der Gedanke wahr ist? – Nein, denn das Ereignis liegt in der Zukunft und der befürchtete Zustand ist bisher nicht eingetreten.

3. Wie fühle ich mich, wenn ich diesen Gedanken glaube und wie reagiert mein Körper? – Ich fühle mich handlungsunfähig, hilflos und ohnmächtig, da ich keine Alternative habe und gefangen bin. Mein Körper reagiert mit Verspannung, Verkrampfung, Stress, Angst und Traurigkeit.

4. Wer bin ich ohne diesen Gedanken und wie sieht mein Leben aus? – Ohne diesen Gedanken bin ich frei, selbstbestimmt und in der Lage, mein Leben nach meinen Vorstellungen und Bedürfnissen zu verändern. Mein Leben entwickelt sich dann ganz automatisch in eine Richtung, die zu mir passt und mir Freude macht.


Mit Übung zur Meisterklasse

Ich empfehle dir, die Übung schriftlich zu bearbeiten und vor allem regelmäßig. Du wirst bemerken, wie wirksam die vier Fragen im Umgang mit deinem inneren Kritiker sind. Dein innerer Kritiker darf dich weiterhin warnen und Dinge in Frage stellen, ähnlich wie die Mitarbeiter in einem Unternehmen. Entscheidungstragende und vor allem ausführende Instanz bist du selbst, der Chef des Unternehmens.

Wenn dein innerer Kritiker dir also mitteilt: „Kündige nicht! Du wirst ein Sozialfall und landest unter der Brücke!“ antwortest du innerlich ganz gelassen und sachlich: „Interessanter Einwand, ich werde darüber nachdenken.“ Dann widmest du dich den vier Fragen. Mache dir bewusst, ob du aus Angst handelst oder aus Vertrauen, Liebe und mit der Absicht zur Selbstverwirklichung. Erkenne, wo du dich selbst sabotierst, weil du angstmotiviert denkst, entscheidest und handelst.


Lebst du das Leben, das dir selbst entspricht?

Oder sabotierst du dich?

 

 

Kommentare: 4
  • #4

    Aura (Samstag, 22 August 2020 21:24)

    Ich und Namen - Bryon Katie kenne ich natürlich, aber ist wohl etwas her. Vielleicht sind mir deshalb die Fragen eingefallen. Zen finde ich auch super interessant. Ich hatte schon als Kind einen kleinen Zen Garten in meinem Zimmer stehen.

    Das Ziel ist der Weg - das gefällt mir und so ist es auch. Um es in Kurt Tepperweins Worten abzurunden: Achtsamkeit ist "eine Meisterprüfung, die du jeden Tag neu ablegst".

  • #3

    Anja (Samstag, 22 August 2020 21:19)

    The Work von Byron Katie ist eher eine Methode aus der kognitiven Verhaltenstherapie mit vier Fragen, einen Glaubenssatz zu hinterfragen... etwas amerikanisch, aber recht effektiv!
    Einen Autor mag ich noch recht gerne: Peter Steiner. Er hat drei kleine Büchlein geschrieben, die Zen und Minimalismus verbinden thematisch. Das ist mein Weg, das fühlt sich für mich richtig an.
    Auf Deine Frage im Podcast möchte ich antworten: Das Ziel ist der Weg!

  • #2

    Aura (Samstag, 22 August 2020 21:11)

    Hallo Anja!

    Beide Autoren kenne ich noch nicht - sind auf meiner Merkliste gelandet. Ein Leben, das überladen ist, ist schwer im wahrsten Sinne des Wortes ("überladen").

    Es freut mich, dass dir der Podcast gefällt. Minimalismus ist für mich wirklich zu einer Art Therapie geworden - ein Weg der Selbstfindung und Selbstverwirklichung. Das ist so viel mehr als Socken zählen und weiße Wände haben.

  • #1

    Anja (Samstag, 22 August 2020 21:00)

    Das erinnert mich teilweise an The Work von Byron Katie?!
    Dein Podcast hat mir sehr gut gefallen! Besonders Deine Definition des Minimalismus: das eigene innere Ausrichten auf das, was für einen selbst wesentlich ist. Sehr schön formuliert! Das werde ich in Erinnerung behalten...
    Kennst Du das Büchlein: „motomenai - ohne Verlangen“ vom japanischen Dichter und Maler Shozo Kajima? Das hat mich lange bei meinen Versuchen des Vereinfachens bzw. des Mininmalisierens begleitet. Ja, ich glaube für mich bedeutet Minimalismus auch vereinfachen und vertiefen. Ein Leben das überladen ist, kann nicht einfach sein.