Möbelfrei leben

 

Zu Möbeln habe ich vor einer Weile geschrieben. Mit der Zeit haben sich meine Möbel immer weiter dezimiert. In meinem damaligen Jugendzimmer befanden sich noch Kleiderschrank, Kommode, Regale, Bettgestell und Schreibtisch samt Oberregalen. Ich habe schon im Kindes- und Jugendalter gerne mein Zimmer umgeräumt und regelmäßig die Möbel umgestellt, weil ich Abwechslung brauche. Mit vielen Möbeln ist das allerdings nur sehr bedingt möglich, da ja meistens alles passgenau aufgestellt ist.

Fasziniert bin ich von der Idee, ohne viele Möbel zu leben. Sogar möbelfreies Wohnen kann ich mir gut vorstellen. Inspiriert wurde ich beispielsweise durch Heal Your Living. Wenn man eine gut strukturierte Einbauküche besitzt, ist möbelfreies Wohnen gar nicht mehr so schwierig. Das ist auch ein Grund, weshalb ich ein absoluter Fan von Einbauküchen, Einbauschränken und Speisekammern in Mietwohnungen bin: Ich muss selbst keine derartigen Möbel anschaffen, bewegen oder installieren und habe dennoch viele Unterbringungsmöglichkeiten.

Umgezogen bin ich also nur mit Esstisch und Stühlen, einem kleinen Unterschrank für das Badezimmer sowie meinem kleinen Laptoptisch. Meine Kommode und sämtliche Küchenmöbel habe ich vor dem Umzug verkauft. Ein Bettgestell verwende ich schon länger nicht mehr, da ich den japanischen Wohnstil und das bodennahe Schlafen sehr mag.

 

 


Das Problem mit den Fehlkäufen

So sehr mich das möbelfreie Wohnen fasziniert, so sehr gefallen mir auch bodennahe Sitzlandschaften und Sitzgelegenheiten. Die Idee, eine multifunktionale Schlafcouch anzuschaffen geistert schon länger in meinen Gedanken herum. Und sicherlich gibt es auch ein Modell, das meiner Vorstellung entsprechen würde. Das große Aber ist: Ich kann nicht wissen, wie das Möbelstück dann am finalen Stellplatz wirkt und ob es mir dann wirklich gefällt. Wie lange es mir letztendlich gefällt, weiß ich vorher auch nicht.

Ich hatte in der Vergangenheit einige solcher Fehlkäufe: Ein Beistelltisch, ein massiver Couchtisch und mehrere Regale. Ein Regal oder Beistelltisch lässt sich noch relativ leicht verkaufen und von Hand zu Hand reichen. Ein Sofa oder eine Sitzlandschaft ist da schon ein anderes Kaliber. Das baut man nur ungern wieder ab. Selbst wenn ich es per Selbstabholer verkaufen würde: Das ganze Rein-Raus kostet Energie.

 

 


Das Problem mit der Auswahl

Abgesehen vom Fehlkauf-Risiko habe ich ein Problem mit zu vielen Auswahlmöglichkeiten. So erging es mir erst vor Kurzem mit Bettwäsche. Ich dachte an einen ganz simplen Bezug in einem Naturton. Ich brauchte mehrere Stunden, um mich bei der riesigen Auswahl auf ein Produkt festzulegen. Ich studierte Stoffe und Webarten und Thermoeigenschaften... bis ich mich dann schlussendlich zu einer Entscheidung durchringen konnte.

Lange Rede, kurzer Sinn. Bei vielen Auswahlmöglichkeiten fährt mein Gehirn sämtliche Kosten-Nutzen-Analysen auf und ist ewig damit beschäftigt abzuwägen, hin und her zu überlegen und wieder zu verwerfen. Je teurer und „endgültiger“ das Produkt ist, desto länger brauche ich für die Entscheidung oder entscheide mich letztendlich überhaupt nicht. Möbel fallen für mich in diese „endgültige“ Kategorie, da ich ein Sofa oder Ähnliches eher langfristig anschaffen würde und nicht, um es nach einigen Wochen wieder auszutauschen.

 



Modular, multifunktional und kreativ

Besonders sinnvoll finde ich multifunktionale Möbel und modulare Elemente. Kisten als Tische und Ablagen zu verwenden ist ja heute nicht mehr ungewöhnlich. Durch ihre Zweckentfremdung verlieren sie ihre eigentliche Funktion nicht und können flexibel genutzt werden. Aber auch bei multifunktionalen Möbeln darf man sich die Frage stellen: Was brauche ich wirklich? Ich erlebe, dass mit fortschreitender Minimalisierung der Bedarf an Möbeln und möbelähnlichen Elementen sinkt. Bei mir haben sie eher einen ästhetischen Aspekt, beispielweise zum Verdecken der Steckdosen und WLAN Kabelwerkstatt:

 

 

Habt ihr darüber nachgedacht mit mehr oder weniger Möbeln zu leben?