Fehlkauf

 

Wie oft hast du schon etwas erworben um dann nach wenigen Tagen oder Wochen festzustellen, dass du das Ding eigentlich gar nicht benötigst? Vielleicht hast du es dir auch binnen kurzer Zeit leid gesehen oder nutzt es einfach nicht in dem Maß wie zuvor angenommen.

Fehlkäufe kommen vor. Mir passieren sie relativ regelmäßig, auch nach mehreren Jahren des Minimalisierens. Es ist für mich mittlerweile in Ordnung, wenn ich feststelle, dass Ding xy ein Fehlkauf ist. Ich verkaufe oder verschenke es dann weiter und stelle sicher, dass noch jemand anderes Freude an dem Gegenstand hat.

 



Warum passieren Fehlkäufe?

Bei mir sind zwei Mechanismen ausschlaggebend: Marketing Strategien respektive Werbung und übereilte, emotional bedingte Käufe. Gerade bei Nischenthemen, die mich ansprechen falle ich für meinen Geschmack noch zu oft auf Werbetricks rein oder lasse mich von Design oder einer Marken-Message einspannen.

Beispielsweise hatte ich mich ziemlich auf das Thema „Wasserfilter“ eingeschossen und relativ zügig einen angeschafft. Die Nutzungsfrequenz war dann verschwindend gering, sodass ich schnell erkannt habe, dass es sich um einen Fehlkauf handelt. Ärgerlich, zumal der Filter wirklich teuer war! Übereiltes Kaufen ist vor allem in Online Shops ein Phänomen. Ein Klick und das begehrte Objekt wird schon geliefert. Das fördert unüberlegte Käufe enorm, da die Kaufhürde relativ gering ist. Wenn man erst zwei Städte weiterfahren oder laufen müsste, würde man den Kauf sicherlich länger abwägen und auf zukünftige Tage verschieben. Oder sich sogar gegen einen Kauf entscheiden.

 



Irgendwann könnte ich das Teil doch noch mal gebrauchen...

Ein Gedanke, den du vielleicht kennst. Ist der Fehlkauf erst einmal geschehen und eingestanden worden, kann man sich doch nicht so recht damit abfinden. Vielleicht könnte das vermeintlich unbrauchbare Ding ja doch noch mal nützlich sein. Was man hat, hat man schließlich! Oder nicht?

Ich behalte schon lange keine Dinge mehr, die ich einfach nicht nutze. Sie nehmen Platz weg und erinnern mich täglich daran, dass sie Fehlkäufe sind und es doch schön wäre, wenn ich endlich einen Nutzen aus ihnen ziehen könnte. Für mich Stress pur.

 


Deadline setzen

Bei Unsicherheiten einfach eine zeitliche Grenze setzen: Wenn ich das Ding binnen der nächsten dreißig, sechzig, neunzig, hundert Tage nicht verwendet habe, darf es gehen und ein neues Zuhause finden. Hilfreich ist es, den Gegenstand außerhalb des Sichtfelds aufzubewahren – mir ist es auf diese Weise schon passiert, dass ich vergessen habe, dass der Gegenstand überhaupt noch Teil meines Besitzes ist.

Auch Käufe kann man auf diese Weise planen und terminieren. Ein neues Möbelstück oder Küchenutensil soll her? Dann ab damit auf eine Merkliste und dreißig Tage abwarten. Nach den dreißig Tagen ist relativ klar, ob man das Teil immer noch so sehr begehrt oder ob sich das Interesse bereits gelegt hat. Vielleicht hat man in der verstrichenen Zeit auch schon wieder neue Ideen geschmiedet und festgestellt, dass man etwas ganz anderes benötigt oder auch gar nichts dergleichen.

 



Sei nachsichtig mit dir selbst!

Wir leben in einer Umgebung, die uns täglich mit Werbung konfrontiert und Bedürfnisse produziert, die wir nicht hätten, wenn die Werbung oder das entsprechende Produkt nicht existent wäre. Hinterfrage, wieso du ein bestimmtes Produkt so sehr herbeisehnst. Benötigst du es wirklich, weil es praktisch ist, etwas vereinfacht, deine Gesundheit fördert oder dir Freude bereitet? Oder hast du den Eindruck, ohne dieses Produkt gar nicht auszukommen? Vielleicht ist es auch das Dopamin, das bei einem Kauf ausgeschüttet wird, das dich so reizt? Kaufen ist wie Geschenke auspacken – es setzt Glückshormone frei. Fehlkäufe bereichern dich um eine Erfahrung mehr und eröffnen dir die Möglichkeit, dein Kaufverhalten eingehender zu verstehen und folglich zu steuern.

Wie gehst du mit Fehlkäufen um?