Zurück zu den Wurzeln

 

Kennst du das Gefühl, einfach nicht zu wissen, wo du beginnen sollst? Ob beim Ausmisten, bei der Job- und Wohnungssuche, bei der Gesundheit oder ganz allgemein bei deinen persönlichen Lebenszielen und -visionen? Mir geht und ging es ähnlich.

Auf dem Weg in ein einfaches und von Wesentlichkeit gefärbtes Leben ist es nicht nur die essentialistische Lebensweise, die sich herauskristallisiert hat. Die Aufmerksamkeit auf das Wesentliche zu lenken schafft Klarheit, Beständigkeit, Struktur. Die Suche nach dem Wesentlichen ist für mich auch stets die Suche nach mir selbst und meinen Wurzeln. Diese Suche fing schon weitaus früher an, so wie bei dir vielleicht auch.

Schon in jungen Jahren zog es mich nach draußen in die Wälder, an die Seen und auf die weiten Felder von denen aus sich die untergehende Sonne im Westen bestaunen ließ. Meine wilde und ursprüngliche Natur konnte man mir nie ganz abstreifen, denn das ist es leider, was häufig passiert während wir „erzogen“ werden, um für die moderne Leistungsgesellschaft zu funktionsfähig gemacht zu werden.

Ich nehme dich heute mit auf meine Reise zurück zum Wesentlichen. Diese Reise dauert bis heute an und führte mich an verschiedenen Stationen des Lebens vorbei. Ich möchte dir zeigen, welche Essenz ich auf diesem Weg gefunden habe und welche Rolle die westliche Ahnenkultur dabei für mich einnimmt. Nimm mit, was dir den Weg weist und lass hier, womit du nichts anfangen möchtest.


Der Beginn einer magischen Reise

Jede Reise beginnt irgendwann mit dem ersten Schritt. Das ist der Moment des Sonnenaufgangs, der uns im Osten begegnet. Von dort her weht ein frischer Wind, der Euros, der den Beginn von etwas Neuem markiert: Wir werden geboren und erblicken das Licht dieser vielseitigen Welt, die nun für eine Weile unser Zuhause ist.

Das Ursprüngliche liegt mir wohl im Blut. Bei meinen Großeltern waren es vor allem die bebilderten Tier- und Pflanzenbücher, die Bücher über Mystik, Kultur, Magie und das Ungreifbare zwischen Himmel und Erde, die mich immer wieder magisch angezogen haben. Im Jahre 2016 begegnete mir das Tarot auf einem großen Treffen mit vielen tollen Menschen aus einem von mir gern besuchten Forum über Träume und Klarträume. Es dauerte nicht lange und meine Faszination war geweckt. Die Sonne nimmt hier buchstäblich ihren Lauf im Süden und nährt das Land mit Licht und Wärme. Sie kurbelt das Wachstum an und hält am Leben, was zuvor geboren wurde:

Die Reise beginnt.

 

Meine erste Tarot-Karte, die ich je in meinem Leben gezogen habe, liegend auf diesem flauschigen Teppich in unserer damaligen Treff-Lokalität, ist also folgende:

 

Die Karte stammt aus dem Tarot von Röhrig und zeigt den Tod. Zu diesem Zeitpunkt bin ich einfach nur neugierig auf das Tarot und die Karten gewesen, weshalb ich die Kartenmeditation sehr spielerisch angegangen bin. Dennoch bewegte die Qualität dieser Karte etwas in mir, das ich heute noch zurückverfolgen kann. Wer sich mit Traumanalyse befasst, besitzt natürlich ein gewisses Repertoire an Bildsymbolik und deren Verständnis, daher las ich die Karte intuitiv und ahnte, was sie mir in diesem Moment sagen wollte:


Lass gehen, was nicht stimmt, öffne dich für die Erneuerung.


Diese Botschaft drang sehr tief in mich ein und entfachte zugleich das Feuer für die Magie und Schönheit der Tarot-Karten. Gleich am nächsten Tag des Treffens bat ich um eine große Kartenlegung, die ich folglich mit einigen versierten Anwesenden erarbeitete. Die Karten, die fielen, waren plötzlich wie Wegweiser, die ganz intuitiv zu mir sprachen und mir etwas Wichtiges über mich selbst aufzeigten. Sie waren wie ein Spiegel, in den ich hineinblickte, um mich selbst zu erkennen. Das klingt vielleicht hochtrabend, doch genauso habe ich es wahrgenommen. Und so nehme ich es heute wahr.

Die Arbeit mit Tarot-Karten ist ein eigener Weg für sich. Sie führen einen bei genauem Studium nicht nur zu wichtigen Erkenntnissen über sich selbst, sondern auch zurück zu den eigenen Ursprüngen und westlichen Traditionen. Denn das Tarot ist in seiner Ur-Form sehr alt und lange Zeit überliefert. Seine Wurzeln reichen bis ins alte Ägypten, die Antike und in die nativen Volksstämme der Erde zurück. So weit, dass die Spuren sich zu verlaufen scheinen und keine klaren Zuordnungen mehr möglich machen. Die Bildsymbolik ist sehr archetypisch und oft nur mit dem historischen Hintergrund zu entschlüsseln.

Und was für mich entscheidend ist: Jede Karte im Tarot-Spiel zeigt etwas Wesentliches. Und alle zusammen genommen bilden die Komplexität des Lebens ab. Über die Jahre wurde das Tarot-Spiel angereichert und heute finden wir in den traditionellen Kartendecks von Smith-Waite und Crowley-Harris eine unglaublich weitreichende und tiefe Symbolik, die historische Bildsymbolik mit astrologischen Korrespondenzen und modernen Lebensaspekten verbindet. Das Tarot-Spiel bildet das Spektrum des Lebens ab, in all seinen Facetten und mit all seinen Höhen und Tiefen.


Vom Kartenspiel zu den westlichen Ahnen

Die Auseinandersetzung mit den Karten und ihren historischen Bezügen und Korrespondenzen führte mich unweigerlich zu meiner eigenen, westlichen Tradition zurück, der ich auch einige Male zuvor schon in Fragmenten begegnete. Denn schon als Kind hinterfragte ich Feste wie Ostern, Weihnachten und Co. Viel spannender waren für mich der Lauf der Jahreszeiten, astronomische Ereignisse wie Voll- und Neumonde, Finsternisse, Sternbilder, Meteorschauer, Sonnenwenden und Tag-Nacht-Gleichen. Diese Ereignisse erschienen mir wie natürliche Eck-, Dreh- und Wendepunkte des echten Lebens.

Auf meinem Weg erfuhr ich häppchenweise mehr über diese Ereignisse und fand so meinen Weg in die westliche Ahnenkultur, die sich wiederum auch im Tarot spiegelt: Vier Himmelsrichtungen, vier Elemente, vier Jahreszeiten, vier Sonnenereignisse. So fand auf einmal alles seine natürliche Ordnung. Und es gibt so viel zu lernen und zu entdecken auf dieser Reise. Vieles davon vertiefe ich gerade in meiner wildnispädagogischen Weiterbildung bei Wildniswind, die mich immer wieder dazu anhält, mit anderen Augen auf das zu blicken, was uns allzu selbstverständlich ist. Tarot-Spezifisches erforsche und studiere ich im Tarot-Kurs von Claire, die mich schon länger begleitet und immer eine herrlich ungezwungene und erfrischende Antwort auf meine verwinkelten Fragen hat.

Das alles ist wie ein Teppich, der immer weiter von mir gewebt wird und vielleicht zeigt er mir am Ende das „big picture“. Oder er wirft neue Fragen auf, denen ich gerne nachgehen werde – immer auf dem Weg zurück zu meinen eigenen Wurzeln. Und dieses Ende liegt tief im Westen, im Reich des Sonnenuntergangs wo die Sonne hinter dem Horizont zerfließt und den Zyklus mit Blick in den kargen Norden beendet. Hier ist die Sonne nie zu sehen, da sie sich im Übergang befindet um am nächsten Tag im Osten wieder aufzusteigen.

 

Ein westafrikanisches Sprichwort sagt:

 

„Wenn wir groß werden, dann,

weil wir auf den Schultern unserer Ahnen stehen.“


Der Westen markiert auch den Tod. Dieser Tod, der sich mir auf der Tarot-Karte entgegenstreckte und mir zuflüsterte: Lass gehen was nicht stimmt und komm noch wesentlicher und ursprünglicher zurück. Vielleicht morgen, vielleicht nächstes Jahr, vielleicht in deinem nächsten Leben. Das Leben vollzieht sich in zyklischen Kreisen. Und wir sind beständig Teil dieser Zyklen, getragen von den Rhythmen der Natur, begleitet von den Trommelschlägen der Ahnen.



Essentialismus als Wegweiser

So wie die Botschaft der ersten Tarot-Karte ist auch der Essentialismus eine Lebensausprägung, die mich immer wieder anhält tiefer zu blicken und mich selbst zu fragen: Was stimmt jetzt? Nicht immer ist das angenehm. Das Loslassen von Gegenständen ist nicht schwierig im Vergleich dazu, Menschen oder tiefe Überzeugungen loszulassen, die nicht mehr dienlich sind.

Was mir Halt gibt, sind meine Wurzeln. Sie halten mich an Ort und Stelle, eben dort, wo ich gerade wachsen und „Wurzeln schlagen“ möchte. Sie führen und leiten mich auf meinem Weg über sonnenbeschienene Gipfel und durch dunkle Tränentäler. Denn das ist das Leben und was es am Ende ausmacht. Das ist es, was jeden von uns ausmacht. Wir gehen alle diesen Weg auf der Suche nach uns und jeder von uns geht diesen Weg auf seine ganz eigene Art und Weise. Viele Wege führen nach Rom und noch mehr Wege führen zu den ureigenen Wurzeln und Traditionen, die uns noch heute mit den großen Ganzen verbinden, das in uns allen wohnt und darauf wartet, entdeckt zu werden.

Mein Weg zeigt mir täglich, dass wir die Kraft und den Schatz dieser Ahnenkultur unterschätzen. Wir entwurzeln uns selbst, indem wir uns abschneiden von allem Nicht-Fassbaren und Nicht-Messbaren. Das Leben und der ganz normale Alltag lehren uns jedoch etwas anderes. Nämlich das unsere Kulturgeschichte einen ganz wesentlichen Einfluss auf unser heutiges Denken, Fühlen und Handeln nimmt.

Dieses Ahnenwissen ist nicht überholt, sondern wächst mit uns weiter, wenn wir diesen Weg einschlagen, ihn beschreiten und ihn mit neuen Pfaden erweitern, bereichern und unsere eigenen Spuren hinterlassen. Sie markieren das Wesentliche unseres Daseins.

Welche Spuren hinterlässt du auf deinem Weg?
Kennst du deine Wurzeln?

 

 

Kommentare: 4
  • #4

    Aura (Dienstag, 10 August 2021 22:22)

    Hey Anja,

    freut mich, dass deine Neugierde geweckt ist. Du kannst mir gerne eine E-Mail über das Impressum dieser Website schreiben, dann können wir uns austauschen und /oder eine kleine Legung machen.

    Viele Grüße! :-)

  • #3

    Anja (Montag, 09 August 2021 07:54)

    Liebe Aura,
    Danke für Deine Antwort! Sie gibt mir bisschen Denkstoff hinsichtlich meiner Fragen. Also im positiven Sinne! Denn ich finde diese unterschiedlichen Ebenen wirklich manchmal schwer miteinander zu verbinden bzw. habe ich da immer wieder Fragezeichen im Kopf. Die Balance gibt hier wahrscheinlich wieder den Ausschlag.
    Mein Lehrer hat mir auf die Frage, ob Therapie denn aus dem Blickwinkel des Zen überhaupt Sinn macht, geantwortet, dass man viele Erfahrungen gar nicht machen würde bei größeren psychischen Problemen, da man sich immer selbst im Weg stünde. Somit mache es eben durchaus Sinn, auf der persönlichen/psychischen bzw. „Ego“- Ebene zu arbeiten.
    Ich würde das Tarot-Kartenlegen gerne mal ausprobieren. Ich bin neugierig und würde mir gerne eine Meinung bilden! Wer weiß, was für einen Schatz ich da entdecken kann! :-) Sehr gerne!!!!
    Herzliche Grüße Anja

  • #2

    Aura (Sonntag, 08 August 2021 20:33)

    Hallo Anja,

    spannende Fragen! Nunja, zu erst einmal: Das Tarot - sowie jede andere Lehre auch - ist immer genau das, was man draus macht. Also alles dabei von sehr traditionell bis intuitiv und individuell.

    Mit Begriffen wie "esoterisch" bin ich immer sehr vorsichtig. Was ist schon Esoterik? Historisch gesehen beschreibt die Esoterik vor allem das Geheimwissen von Logen und privaten Zirkeln. Aktuell wird das Wort oft ganz anders verwendet, nämlich häufig als abwertendes Adjektiv, das etwas hochtrabend-versponnenes beschreibt. :-D

    Ich halte mich da zurück was das angeht. Zumal in der "esoterischen Szene" wirklich viele Scharlatane mit Wunderheilmitteln und sonst was unterwegs sind, von deren Praxis ich mich bewusst abgrenze. Das hat oft mehr mit Profitgier zu tun als mit einem Weg der Selbsterkenntnis. Schade eigentlich.

    Für mich ist das Tarot ein Werkzeug zum Lenken und Sortieren der Gedanken und Gefühle. Man kann natürlich sagen, dass das ja alles sinnlos ist, weil man um sein Ego kreist etc. Die Ego-Sache ist ja auch etwas womit die Esoterikszene boomt. Von wegen mach das Ego weg, sei nur noch du selbst etc. Was die Leute dabei gerne vergessen ist: Wir sind körperliche Wesen mit biochemischen Vorgängen und psychologischen Instanzen. Das sind alles Teile von uns. Die wegzumachen wäre irgendwie nicht im Sinne des Erfinders oder? Finde ich zumindest.

    Da muss man auch wieder auf den Boden der Tatsachen kommen und sich auf das Wesentliche besinnen. Natürlich ist es eine "Egosache", wenn ich mir Gedanken darüber mache, ob ich den Job kündigen soll oder nicht, die Wohnung kaufen soll oder nicht, denn was solls, ich bin ja sowieso reines Bewusstsein (das in einem Körper wohnt). Dennoch sind es eben die ganz realen Dinge des Lebens, die zum Leben dazu gehören und uns beschäftigen. Daran ist nichts Verwerfliches. :-)

    Falls deine Faszination überwiegen sollte: Ich biete kostenlose Karten-Legungen an, da ich mein Brot mit einem anderen Beruf verdiene. Bei Interesse also gerne melden! Gilt für alle, die das hier lesen. Meistens lege ich für mich selbst oder für engere Freunde. Bisher waren alle positiv überrascht, auch die Skeptischen. ;-)

    Liebe Grüße!

  • #1

    Anja (Samstag, 07 August 2021 15:13)

    Liebe Aura,
    ich habe keinerlei (praktische) Erfahrungen mit Tarot Karten. Ich habe jetzt aber schon ein paar mal in Deinem Blog darüber gelesen. Irgendwie bin ich da zwischen Interesse/Faszination und Skepsis hin und her gerissen... Als Zen-Schülerin kommt es mir recht esoterisch vor, auf der anderen Seite gibt es ja auch das Osho Tarot, also scheint es irgendeine Ebene zu geben, die beides verbindet. Wie verbindest Du das?
    Das Wesentliche in der Theorie des Zen, wäre ja die Leerheit aller Phänomene, das reine Bewusstsein, das „Nicht-Ich“. Warum also die Mühe machen, die Ego- Struktur mit Hilfe von Tarot/Orakeln ja selbst im weitesten Sinne mit allen möglichen therapeutischen Interventionen zu stärken bzw. zu beschäftigen? Wenn das Ego letztlich eine „strategische Organisationseinheit“ zur Alltagsbewältigung ist? Warum nicht gleich auf das Erkennen der wahren Natur aller Dinge konzentrieren? Wäre das nicht viel wesentlicher?
    Verstehe mich nicht falsch: ich frage das wirklich, denn ich frage mich das selbst ständig! Die Fragestellung ist nicht provokativ gemeint.
    Wie arbeitest du mit den Tarot-Karten?
    Herzliche Grüße Anja