Unsozial

 

Die letzten Tage habe ich genutzt, um einige neue Ideen für meine Wohnung zu sammeln. Und so wie es aussieht, werde ich mir diesbezüglich eine schon lange gehegte Vision verwirklichen: Einen Bodenesstisch im japanischen Stil. Die traditionell-japanische Wohnkultur hat mich schon als Kind fasziniert: Textilien, niedrige Tische, Möbel, Futons, klar Linien, Kontraste, Naturmaterialien und organische Dekorationselemente.

In der japanischen Lebenskultur ist das Speisen und Sitzen an niedrigen Möbeln etwas ganz Normales. Ich möchte gar nicht groß darauf eingehen, warum das Sitzen auf herkömmlichen Stühlen nicht unbedingt die gesündeste Art zu sitzen ist, das muss schlussendlich jeder für sich selbst erproben und herausfinden. Und es hängt auch stark von den eigenen körperlichen Bedürfnissen ab. Von meinem bisherigen Erfahrungs- und Wissensstand aus gedacht ist die Saigon Hocke oder auch das Sitzen im Schneidersitz für mich persönlich die angenehmste Art zu „sitzen“, wobei die Saigon Hocke wirklich viel Übung bedarf, wenn man an konventionelles Sitzen gewöhnt ist.


Letztes oder vorletztes Jahr habe ich mir zum „Ausprobieren“ einen kleinen Laptoptisch gekauft. Diesen Tisch habe ich immer noch und er hat sich absolut bewährt (anders als das ein oder andere massive Möbelstück). Ein Leben ohne Esstisch, ohne Stühle... ich glaube, dass das für die meisten im hiesigen Westen lebenden Menschen unvorstellbar ist. Der Essbereich einer Wohnung gilt als „soziales Element“ einer Wohnung. Gäste und Freunde nehmen hier Platz, man sitzt zusammen und wenn Besuch kommt, bietet man zuerst einen Stuhl mit den Worten „Setz dich doch“ oder „Bitte nehmen Sie Platz“ an.

 

Und wenn kein Stuhl da ist? Kein Tisch? „Wie unsozial“ und „Du hast wohl keine Freunde“ höre ich schon einige Menschen skeptisch kritisieren. Was der Mensch nicht kennt, macht ihm Angst, verunsichert ihn und konfrontiert ihn mit erlernten Konventionen. Ich habe mir wieder einmal bewusst gemacht, was ich in meiner Wohnung nur für andere habe. Der konventionelle Esstisch gehört dazu.

Und außerdem: Nichts ist unumgänglich. Wenn mir das alles nicht passt und ich wieder Lust auf einen „normalen“ Esstisch bekomme, dann besorge ich mir einen. Bedürfnisse ändern sich und Geschmäcker auch. Das gehört dazu. Es gibt beim Minimalismus keine Regeln, denn jeder Mensch kreiert diesbezüglich seine eigenen Regeln.

Und jetzt heißt es wieder: Käufer finden. Besitz schafft Verantwortung. Wenn ich etwas neugestalten will, wollen alte Dinge erst neue Besitzer finden. Diese Prozedur kenne ich ja bereits. Dennoch ist sie recht energieaufwendig.

Könntest du ohne konventionelle Möbel wie Tisch oder Stuhl leben?
Findest du es „unsozial“ oder sogar verrückt?

 

Kommentare: 9
  • #9

    Tanja Heller (Mittwoch, 17 März 2021 09:49)

    Stuhl und Tisch hab ich auch nicht. Davon springen meine Wirbel raus. Ich nutze die Fensterbänke als Ablage. Die sind einfach schon da. Boden war mit Kleinkind super. Dann fällt's nirgends runter. Hab auch so gewickelt. Heute mit 50 ist mein Rücken futsch und ich liebe meine beiden Sofas.

  • #8

    Aura (Donnerstag, 11 Februar 2021 16:45)

    Hallo Thorsten!

    Ah jetzt verstehe ich. "Auf dem Boden" ist wahrscheinlich oft missverständlich. Ich esse und schlafe auf dem Boden. Meint effektiv: Mein Futon liegt auf dem Boden und mein Esstisch ist bodennah (Tisch mit kürzeren Tischbeinen). Auf dem nackten Boden möchte ich aktuell nicht leben.

    Suppe aus Schalen trinken und Esstäbchen dazu verwenden finde ich recht angenehm bzw. zumindest nicht unangenehm. Tee trinkt man ja auch nicht mit dem Löffel.

  • #7

    Thorsten (Donnerstag, 11 Februar 2021 16:40)

    Hallo Aura

    Katzen springen nicht auf den Tisch, wenn sie erzogen sind. Ich würde aber keine Leckereien auftun und den Raum verlassen, dann könnte natürlich die Hemmschwelle sibkrn. Aber am Fußboden , nein das ginge nicht. Mal dürfen sie dahin , mal nicht . Das kann man ihnen nicht beibringen.

    Essen am Tisch verbraucht weniger Platz, weil man unter dem Essen sitzt. Am Boden wäre das ein Riesenproblem. Man käme ja ans Essen nich heran ohne sich irgendwie nach vorne zu beugen, müsste sich das Essen im Kreis reichen ? Dazu die Hygiene. Suppe zwischen das Parkett kippen oder überhaupt Suppe. Müsste man die ganze Zeit unzivilisiert hochhalten und den Kopf beugen und würde trotzdem kleckern ? In Asien setzen sie die Schale an den Mund und essen ohne Löffel, nein danke.

  • #6

    Aura (Mittwoch, 03 Februar 2021 11:53)

    Hallo Thorsten!

    Das höre ich öfter, dass es mit dem Alter schwieriger wird oder dass Schlafen auf dem Boden den Rücken kaputt macht. Ich denke, dass generell zu wenig Bewegung und Fitness Probleme triggert. Je geringer das Bewegungsspektrum ist, desto eher "steift" der Körper ein. Das merke ich bei mir schon wenn ich nicht regelmäßig Saigon-Hocke übe. Je mehr Bewegungsspektrum ich habe, desto besser fühle ich mich. Und ich bin überzeugt davon, dass man sich das bis ins hohe Alter erhalten kann - zumindest ist das mein Ziel. :)

    Temperaturtechnisch stelle ich keinen Unterschied fest, ob ich höher sitze oder eher bodennah. Unbequeme Kleidung trage ich aus Prinzip nicht mehr, habe vor etwa 8 Jahren damit aufgehört mich in Jeans oder Ähnliches zu pellen. Ich brauche Bewegungsfreiheit.

    Haustiere habe ich aktuell nicht. Wenn es mal irgendwann Katzen oder Kaninchen werden, dann sehe ich da aber auch kein großes Problem. Eine Katze springt im schlechtesten Fall auf jeden Tisch, unabhängig davon ob er höher oder niedriger ist. Da ist Training gefragt. :-D

    Warum Essen am Boden mehr Platz braucht verstehe ich nicht ganz. Ob ich einen "normalen" Esstisch habe oder einen niedrigen Tisch macht doch keinen Unterschied, außer in der Höhe. Und ob ich mit meinem Tellerchen zum Esstisch laufe oder zum Bodentisch macht für mich persönlich keinen Unterschied.

    Ich muss allerdings zum ganzen Vorhaben dazu sagen, dass ich ja jederzeit die Möglichkeit habe, mir einen konventionellen Tisch zu besorgen, sollte ich einen benötigen. Hätte ich diese Möglichkeit nicht, würde ich Dinge wohl grundsätzlich lagern und aufgewahren, weil könnte man ja nochmal gebrauchen.

  • #5

    Thorsten (Mittwoch, 03 Februar 2021 08:11)

    Wenn du es für dich als gut empfindest, dann ist es für dich richtig. Du startest ja kein Café oder Wartezimmer in deiner Wohnung für andere aus. Gabis Klappstühle wären schnell weggestellt.

    Tendenziell wird es im Alter schwieriger Dinge am Boden zu erreichen oder von einer niedriger gelegenen Fläche aufzustehen. Dazu kommt, dass es am Boden oft kälter ist, wir leben ja nicht in einem dieser Ländsr, wo man barfuß läuft und mit wenig Kleidung.

    Überspitzt : wird meine engere Jeans und mein Strickpulli ein angenehmes Sitzgefühl am Boden ermöglichen und ohne zu frieren ? Ist mein Körpergewicht ein Hindernisgrund, machen alle Knochen und Muskeln das mit ? Im Sommer mit luftiger Kleidung kann ich mir das eher vorstellen.
    Dazu kommt : essen am Boden lädt Haustiere ein, unsere Katzen würden sich freuen. ;) Essen am Boden verbraucht mehr Platz, das Sitzen am Tisch ist platzoptimal. Geschirr und Essen müssten ja auch hochgehievt und runtergelassen werden. Kann ich mir für meine Situation gar nicht vorstellen.

  • #4

    Aura (Sonntag, 31 Januar 2021 18:25)

    Von mir auch noch ein Nachtrag:

    Habe direkt mal recherchiert zum Papphocker: http://www.fold-concept.de/

  • #3

    Aura (Sonntag, 31 Januar 2021 18:12)

    Hallo Gabi!

    Einen Keller habe ich nicht. Dafür aber einen stinknormalen Holzhocker, den man sowohl zum Sitzen, als Leiter oder als Blumenbank verwenden kann. Der tuts dann auch. Die Papphocker finde ich auch super, habe aber bisher nicht herausgefunden, wo man diese am ehesten erwerben kann und so vielleicht noch ein kleines Unternehmen mit dem Geld unterstützen kann. Vielleicht weißt du da was?

    "Bewirten" könnte ich sogar vier Leute, aber es kommt schon sehr selten vor, dass so viele Leute gleichzeitig hier sind. Für eine weitere Person findet sich daher immer eine Lösung bzw. eine zweite Kaffeetasse. :-D

  • #2

    Gabi (Sonntag, 31 Januar 2021 18:06)

    Ergänzend: Diese Papphocker sind auch ganz praktisch. Sehr stabil, lassen sich aber auch wieder auseinander nehmen und platzsparend wegräumem

  • #1

    Gabi (Sonntag, 31 Januar 2021 18:05)

    Für Besucher, die es nicht hin bekommen, so niedrig auf dem Boden zu sitzen, reichen im Bedarfsfall ja auch ein paar Klappstühle, die man zwischenzeitlich im Keller lagern kann.

    Dass Leute, die mich besuchen, ihre Sitzgelegenheiten und Geschirr selbst mit bringen (also quasi einen Miniumzug machen müssten), finde ich nicht gut. Daher habe ich 2 Reservestühle und ein paar Reservegläser im Keller gelagert, die ich ggf. hoch hole. Ständig Möbel und sonstige Dinge in der Wohnung zu haben, die ich nur für andere habe und selbst nicht brauche oder nutze, will ich auch nicht.