Pandoras Büchse

 

Heute mache ich ein Fass auf: Die Büchse der Pandora.

 

Es geht um Angst, Depression und Trauma. Falls das Thema für dich gerade nicht stimmig ist, lass diesen Artikel gerne liegen. Du kannst zu einem für dich passenden Zeitpunkt zurückkehren und dich der dunkeln Seite des Mondes widmen. Anderenfalls lade ich dich heute dazu ein, mit mir zusammen einen Blick in die Büchse der Pandora zu werfen.


Warum Pandoras Büchse?

„Die Büchse der Pandora“ stammt aus der griechischen Mythologie und wird häufig als symbolische Redewendung verwendet. Das sprichwörtliche Öffnen der Büchse der Pandora bringe demnach alles Unheil über die Menschen und über die Welt. Deswegen heißt es: Öffne niemals die Büchse der Pandora. Lass bloß die Finger davon!

Jeder von uns besitzt eine solche Büchse. Und die meisten von uns haben sie tief vergraben, irgendwo im Schlamm des Unbewussten. Sie enthält all die unangenehmen Gefühle, die wir nicht fühlen wollen. In ihr schlummern die zahlreichen, schmerzhaften Überzeugungen, Glaubenssätze, druckmachenden Wertvorstellungen und unerfüllten Wünsche, die uns jeden Tag beschweren.

Unsere Strategien sind vielfältig: Gefühle wegzudrücken ist heute schick. Ob weg-atmen, weg-meditieren, weg-sporteln oder weg-lachen. Wir wollen die Gefühle wegmachen. Wenn Atmen, Sport und positives Weg-denken nicht mehr funktionieren, dürfen gerne auch Medikamente und andere Betäubungsmittel herhalten. Schließlich müssen wir leistungsfähig sein, funktionieren, stark sein.

Wir bringen minütlich, täglich und lebenslänglich viel Energie und Kraft auf, um den Deckel der Büchse geschlossen zu halten. Bloß nichts fühlen, was irgendwie unangenehm ist. Unser Nervensystem ist gespannt, stets wachsam und immer in Alarmbereitschaft, denn nichts da draußen darf auch nur im Entferntesten unsere Büchse der Pandora berühren und sie zum Bersten bringen. Stichwort: Trigger und Vermeidungsstrategie.


Alles tabu?

Dieser Artikel kann keinen detaillierten Überblick über die Komplexität dessen, was Angst, Depression und Trauma ausmachen, bieten. Viele Menschen machen allein bei dem Wort „Trauma“ schon zu und wollen nichts davon wissen. Dabei sind wir im strengen Sinne alle traumatisiert, allein schon durch das Geburtstrauma.

Aber: Angst, Depression und Trauma sind Tabu-Themen. Vielleicht auch genau deshalb, weil sie eben so sensibel und schmerzbelastet sind. Wir legen einfach ungern den Finger in eine nie abgeheilte Wunde.


Warum dieses Thema, ist das nicht ein Minimalismus-Blog?

Ja und gerade deshalb dieses Thema. Wir versuchen so häufig unsere äußere Umgebung zu verändern. Wir klammern unangenehme Menschen aus unserem Leben aus, wechseln den Job, die Wohnung, den Partner, die Partnerin und hoffen auf ein besseres Leben. „Wenn sich dieses und jenes ändert, dann bin ich endlich glücklich...“

Bestimmt ist dir auch schon aufgefallen, dass das irgendwie nicht funktioniert, zumindest nicht langfristig. Vielleicht wechseln wir den Job, finden neue Freunde, bestehen die gefürchtete Prüfung und zahlen unsere Schulden ab, doch kaum liegt das abgelehnte Ereignis hinter uns, türmt sich schon die nächste Herausforderung vor uns auf.

 

Wieder müssen wir unter Anstrengung und Leid die Büchse der Pandora bewachen, beschützen, zudrücken und um jeden Preis verhindern, dass das, was in ihr verborgen liegt, zum Vorschein kommt.  

Anders ausgedrückt: Um jeden Preis müssen unangenehme Gefühle verdrängt werden, vergraben werden, überspielt werden. Chakka! Das Leben ist toll und ich kann alles schaffen! Welchen Preis wir zahlen? Ich bin überzeugt davon, dass du das weißt. Du und dein Herz wissen ganz genau, was es kostet, die Büchse um jeden Preis verschlossen zu halten. Krankheit, Leid und Unglück sind vielleicht noch die harmlosesten Tribute.


Den Weg deiner Reise bestimmst du selbst!

Jeder Mensch erlebt seine persönliche Reise anders. Eines haben alle Reisen gemeinsam: Was hilft, stimmt. Vielleicht kannst du mit Pandoras Büchse als Analogie nicht viel anfangen. Vielleicht fühlen sich andere Analogien und innere Bilder stimmiger an: Das innere Kind, der innere Dämon oder das Traumagefäß.

Meine Reise in das Innere von Pandoras Büchse begann vor ziemlich genau zehn Jahren, als ich erkannte, dass die Lösung nicht darin liegen kann, mir die äußeren Umstände irgendwie zurechtzubiegen, sodass nie wieder unangenehme Gefühle auftauchen würden. Die Lösung liegt irgendwo in meinem Inneren. Diese Reise ist oft anstrengend und kräftezehrend. Oft fühlt es sich so an, als würde man anhaltend Rückschritte gehen, immer wieder in alte Muster fallen und niemals wirklich voran gehen.  

Ich habe in den letzten zehn Jahren viel erfahren, Wissen erworben und nützliche Übungen erprobt und erst heute wird mir richtig bewusst, dass ich den wichtigsten Schritt doch immer noch ausgeklammert hielt: Das bewusste Fühlen von Gefühlen. Ein schreiendes Baby besänftigt man nicht durch Worte oder Gedanken. Man besänftigt es durch Da-Sein. Meine eigene Reise schließt sich hier an. Das, was in Pandoras Büchse zum Vorschein kommt, will nicht bloß angeschaut und analytisch seziert werden.

Es will gefühlt werden.

 


Wagst du einen Blick in Pandoras Büchse?
Anregungen und Impulse von Michael Begelspacher:

Die Büchse der Pandora Teil 1
Die Büchse der Pandora Teil 2

 

 

Kommentare: 2
  • #2

    Aura (Mittwoch, 12 Mai 2021 17:53)

    Hallo Nuevo!

    Dieser Schacht klingt interessant, beinahe lockend. Ich wäre da sehr neugierig, andererseits ist er sicherlich sehr tückisch. Erinnert mich an den Kaninchenbau, der ins Wunderland führt.

  • #1

    Nuevo (Sonntag, 09 Mai 2021 16:05)

    Hey Aura, sehr guter Artikel. Ich glaube nicht, dass ich meine Büchse schon mal geöffnet habe. Sie liegt wahrscheinlich irgendwo, tief in einem schmutzigen Schacht, der viel zu eng ist, um da runter zukommen. Aber ich habe schon mal versucht, in den Schacht zu gelangen, bisher aber ohne Erfolg. Naja, falls die Büchse überhaupt dort ist.