Freie Liebe

 

Liebe, Partnerschaft und Beziehung – wie lebt man echte und wesentliche Beziehungen? Eine Frage, die sich wohl jeder Mensch schon gestellt hat. Und eine Aufgabe, an der ich selbst lange gescheitert bin und mir die Antwort nicht so recht einfallen wollte. Dabei ist alles sehr einfach und klar, wenn man den Blick auf das richtet, was wesentlich ist.

In unserer westlichen Welt ist die monogam definierte Partnerschaft das klassische Modell, in welchem von Beginn an beide Beteiligten viele Erwartungen, Wünsche und vielleicht auch Ängste in eine potentielle Partnerschaft mitbringen. „Wird es klappen?“, „Kommen wir zusammen?“, „Wie lange wird es halten?“, „Bin ich noch interessant genug?“, „Bin ich überhaupt liebenswert?“ – und so weiter.

Von der rosaroten Verliebtheit bis zur abgrundschmerzlichen Eifersucht und Verlustangst habe ich – so wie du vielleicht auch – alles schon erlebt. Ich habe Erfahrungen mit toxischen sowie heilenden und polyamourösen Beziehungen gemacht und bin dankbar für alles, was ich durch diese verschiedenen Beziehungen und Menschen lernen durfte.

Wenn ich zusammenfassen müsste, was die wichtigste Erkenntnis für mich ist, dann würde ich wohl sagen: Liebe ist frei. Liebe lässt sich nicht in Modelle und Schemata pressen, Liebe ist nicht gleich Verliebtheit und Liebe ist nicht etwas, das man verdienen oder strategisch dosieren muss. Ebenso ist Eifersucht kein „Beweis“ für Liebe – Eifersucht ist lediglich ein Indiz für das eigene erniedrigte Selbstwertgefühl und den erlebten inneren Mangel.

 

Liebe kennt keine Rache, keine Schuldzuweisungen, keine Taktik und keine Spielchen. Liebe ist aufrichtig und echt. Und sie stellt keine Besitzansprüche – falls doch, ist es keine Liebe, sondern Angst. Vielleicht die Angst, sich einsam zu fühlen oder nicht liebenswert zu sein.

Es gibt nicht umsonst die Redewendung „Du kannst einen anderen Menschen nur in dem Maße lieben, wie du dich selbst liebst“ – und es stimmt. Wenn es um Liebe und Beziehung geht, fällt auch oft das Wort „Bindung“. Ganzheitlich betrachtet, spreche ich lieber von Ver-Bindung, anstatt von „Bindung“, um anschaulicher hervorzuheben, was Liebe wirklich ist: Eine tiefe Ver-Bindung zwischen zwei oder mehreren Menschen und natürlich die Verbindung zu sich selbst.

 

Aber diese Verbindung fordert nicht, sie urteilt nicht, sie straft nicht, sie beschuldigt nicht, sie er-wartet nicht – sie ist einfach und entfaltet sich höchst individuell. Und jede Ver-Bindung ist anders. Liebe ist vielfältig.

Liebe braucht keine Definitionen - fühlst du dich unwohl, wenn eine Beziehung zwischen dir und einem anderen Menschen nicht klar definiert ist? Brauchst du das Label „wir sind ein Paar“ um dich sicher zu fühlen? Wer in dir braucht diese vermeintliche Sicherheit? Kannst du einen anderen Menschen lieben wie er ist oder trägst du Erwartungen in dir? Bist du emotional abhängig von einem anderen Menschen oder lebst du deine Beziehungen frei und unabhängig?

 

Kannst du vollkommen du selbst sein, auch wenn es hieße, dass deine Beziehung zu einem anderen Menschen sich daraufhin verändert oder auflöst?

Als wer lebst du deine Beziehungen und Partnerschaften? Als jemand, der bedürftig und ängstlich ist oder als jemand, der schon in seiner vollen Kraft steht und mit sich selbst vollständig ist? Suchst du im Anderen etwas, das du dir selbst nicht geben kannst?

 

Aus Erfahrung weiß ich, dass es sehr leidvoll ist, wenn man Dinge deshalb tut, um etwas vom Anderen zu bekommen, das man sich selbst nicht gibt. Hier entsteht eine emotionale Abhängigkeit, die ausnahmslos in seelischen und nicht selten auch körperlichen Schmerz mündet. Eine klare Botschaft, sich auf den Weg zu sich selbst zu machen!

Vielleicht lässt sich sagen: Das Wesentliche der Liebe ist ihre Freiheit und ihr höchst individueller Ausdruck, dessen einzige Konstante die Veränderung und Entwicklung ist.

Liebst du?

 

 

Kommentare: 1
  • #1

    RK (Dienstag, 01 September 2020 19:49)

    Ja, ich liebe! :)