Ich bin...

 

Dir bleibt eine Sekunde Zeit, um den Satz „Ich bin...“ zu vervollständigen. Na – welches Wort ist dir als erstes in den Sinn gekommen? Schreib es gerne in die Kommentare!

Täglich vervollständigen wir diesen Satz immer und immer wieder, oft unbewusst: Ich bin zu schlecht, ich bin besser als andere, ich bin schön, ich bin hässlich, ich bin dünn, ich bin dick, ich bin nicht genug, ich bin Mutter, ich bin Angestellter, ich bin verantwortlich, ich bin arm, ich bin reich, ich bin traurig, ich bin fröhlich, ich bin verheiratet, ich bin getrennt, ich bin vergeben, ich bin verliebt, ich bin zerstritten, ich bin ich, ich bin unentschieden, ich bin hoffnungslos, ich bin euphorisch, ich bin gut drauf, ich bin erschöpft, ich bin bei dir, ich bin lustig, ich bin höflich, ich bin hier und ich bin dort...

 

Und immer so weiter... ganz nach dem Motto: Die Beschreibung ist erst vollständig, wenn nichts mehr hinzugefügt werden kann.

Was macht das mit uns?

Jedes Wörtchen, das wir hinter „Ich bin...“ setzen, konstruiert eine Beschränkung unserer selbst, es umreißt mal eine Bewertung, mal einen Zustand, mal eine Position, mal einen bestimmten Status. Du kannst den Satz „Ich bin...“ unendliche Male vervollständigen und doch wirst du nie eine exakte Abbildung oder Beschreibung deiner selbst erhalten. Weil du mehr bist, weniger, ähnlich oder anders.

Ich bin Aura.

Ich bin interessiert.
Ich bin inspiriert.
Ich bin kommunikativ.
Ich bin erfüllt und manchmal leer.
Ich bin dir zugewandt.
Ich bin schwach und oftmals mutig.
Ich bin überzeugt und klar.
Ich bin im Zweifel.
Ich bin nicht perfekt.
Ich bin Träumerin.
Ich bin Kind.
Ich bin spielerisch.
Ich bin Frau.
Ich bin ich.

Ich bin noch mehr: Ich bin.

Bist du?

 

 

Kommentare: 3
  • #3

    Aura (Mittwoch, 19 August 2020 21:03)

    Hallo Anja!

    Tolle Worte. "der aufrecht bleiben wird, wenn ich sterbe" - das wahre Selbst in uns ist wahrlich unsterblich, die wahrnehmende Präsenz dessen, was wir fühlen, denken, erleben. Was ich beobachten kann, kann ich nicht sein - tolle Erkenntis!

  • #2

    Anja (Mittwoch, 19 August 2020 20:59)

    Mir fällt dazu ein Gedicht von Juan Ramón Jiménez ein:
    "Ich bin nicht ich.
    Ich bin jener,
    der an meiner Seite geht, ohne dass ich ihn erblicke,
    den ich oft besuche,
    und den ich oft vergesse.
    Jener, der ruhigt schweigt, wenn ich spreche,
    der sanftmütig verzeiht, wenn ich hasse,
    der umherschweift, wo ich nicht bin,
    der aufrecht bleiben wird, wenn ich sterbe."

    Ein Zen-Gedicht über das Nicht-Selbst.

  • #1

    R. Winkler (Sonntag, 16 August 2020 10:34)

    Ich bin Drachenlord.
    Ich bin unbesiegt.